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Incircles

Eröffnungskonzert des Festivals ZeitRäume Basel
Biennale für neue Musik und Architektur 13.-22.09.2019

13. September 2019 / 18:00 Uhr  Münsterplatz Basel

Regenvariante: Innenhof im Baudepartament Basel (Münsterplatz 11)

Programm

Incircles                                                                   Domenico Melchiorre (1982*)

for six percussionists (2019/UA)                               

 

 

Persephassa                                                            Iannis Xenakis (1922-2001)

for six percussionists (1969)

Künstler

DeciBells

Adrian Romaniuc, Alex Wäber, David Gurtner, Mirco Huser, Robin Fourmeau, Szilàrd Buti

 

Schlagzeugklasse von Christian Dierstein / Musikhochschule Basel

Mathieu Casareale, Pedro Tavares, Elliott Harrison, Tomohiro Lino, Dominik Dolega, Martin Huber

 

 

Künstlerische Leitung

Domenico Melchiorre

Das Ensemble DeciBells verwandelt den Münsterplatz für Incircles in einen Konzertsaal: Auf dem Programm stehen ein selten gespielter Diamant der Schlagzeugliteratur, Persephassa von Iannis Xenakis und die Uraufführung von Incircles komponiert von Domenico Melchiorre.

 

Persephassa und Incircles eint die kompositorische Frage, wie Klang, Klangmasse und Raum sich gegenseitig beeinflussen und formen. Iannis Xenakis komponierte dichte und weniger dichte Klangräume, die für die ZuhörerInnen als dynamisch abgegrenzte Blöcke wahrnehmbar sind. Das Publikum positioniert er in die Mitte der im Kreis angeordneten Perkussionssets. Im Schlussteil des Werks erklingen auskomponierte Kreise, die von den SchlagzeugerInnen in Form eines Wirbels umgesetzt werden und um das Publikum schwirren. Da dieses so eindrückliche klangliche Phänomen mit sechs MusikerInnen spieltechnisch nach einer gewissen Anzahl sich überlappender Kreise nicht mehr so umsetzbar ist, dass man die Kreise noch wahrnehmen kann, interpretiert DeciBells das Werk mit insgesamt zwölf MusikerInnen.

 

Thematisch bezieht sich Domenico Melchiorre mit seiner Komposition Incircles auf diesen signifikanten Schluss von Persephassa. Auch er verwendet rhythmisch unterschiedlich dichtes und weniger dichtes musikalisches Material, um Bewegung zu erzeugen, emanzipiert sich jedoch kompositorisch, indem er nicht Kreisbewegungen im realen Raum auskomponiert, sondern sie in der Wahrnehmung des Publikums entstehen lässt.

 

Erreicht wird dies durch die Überlagerung von mehreren gleichzeitig hörbaren dynamischen Ebenen. Aus dem Zusammenspiel von leisen Klängen, die aus der Ferne zu kommen scheinen, und lauten, ganz nah wirkenden, öffnet sich in der Wahrnehmung des Publikums ein im Hören erfahrbarer Raum.

 

Besonders in Melchiorres Werk ist das verwendete Instrumentarium. Zum Einsatz kommen fast  ausschliesslich neu entwickelte Perkussions-Instrumente. Neben einer neuen Form des Sixxen, das ursprünglich von Xenakis erfunden worden war und etwa in dessen Pléiades Verwendung fand, eine Reihe von Instrumenten, die Domenico Melchiorre mit der handwerklichen Unterstützung seines Vaters Nicola Melchiorre entworfen hat. Aus dem Wunsch heraus eine neue Klangsprache zu finden und durch ein neues Instrumentarium neue Klangdimensionen zu erschliessen, hat er mit seiner Firma LUNASON Nicophone, Sixxen mit Aluminiumplatten, Kawaplates und viele weitere Instrumente entwickelt. Gemeinsam ist ihnen ein einzigartiges Obertonspektrum, das eine futuristische Klanglichkeit erzeugt: Dem Ohr der ZuhörerIn erscheint das Gehörte elektronischer Herkunft, es ist jedoch rein instrumentalen Ursprungs.

 

Das Nicophone besteht aus Metall, dem eine besondere Legierung, Verarbeitung und Veredelung zugrunde liegt. Sein charakteristisches Lamellenmuster erzeugt eine Vielzahl sich überschneidender Frequenzen im Mikrointervallbereich. Da alle Lamellen miteinander verbunden sind, schwingt die angeschlagene oder angestrichene Lamelle als Zentralfrequenz am stärksten jedoch immer begleitet vom gesamten Klangspektrum der anderen mitschwingenden Lamellen. Dies führt zu diesem einzigartigen Spektralklang des Nicophones.   

Eine weitere Neuheit sind die Sixxen mit Aluminiumplattensätzen. Durch die Verwendung von Aluminium statt Eisen weisst auch diese Kreation in ein neue klangliche Dimension.